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(von Judith Hyams)

Wer im Alltag das kleine Glück achtet, beglückt nicht nur andere Mitmenschen, sondern sich selbst auch gleich mit.

Die Dankbarkeit – kaum war sie da, schon hat sie sich wieder verdünnisiert, allen höflich ausgesprochenen „Dankeschöns“ zum Trotz. Die Vergänglichkeit der Dankbarkeit liegt daran, dass sie ein verborgenes Gefühl ist, dass sich von Wut, Leidenschaft oder Euphorie leicht in die Ecke drängen lässt. Dabei lohnt es, die eigene Dankbarkeit zu kultivieren – das Resultat ist ein glücklicheres, ausgeglicheneres Selbst.

1. Ganz göttlich

Wenn es um die Dankbarkeit geht, sind sich Christen und Muslime, Buddhisten, Juden und Hindus einig: Für sie alle ist die Dankbarkeit eine besonders wertvolle menschliche Neigung. Natürlich gilt der Dank hier vor allem Gott oder den Göttern.

Dass sich Dankbarkeit auch auf den Menschen selbst günstig auswirkt, erkannte schon der römische Philosoph Seneca: „Ich bin dankbar, nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht“. Und der römische Staatsmann Cicero stellte fest: „Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter von allen.“

2. Psychologisch wertvoll

Was schon den Römern eine Betrachtung wert war, ist unter Psychologen eine erstaunlich junge Wissenschaft. Erst seit rund 20 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft systematisch mit dem Thema, darunter vor allem die sogenannte positive Psychologie. Mittlerweile existieren eine Reihe empirischer Untersuchungen, ob und wie sich die Dankbarkeit auf das Leben auswirkt.

Ein Beispiel ist ein Experiment des wohl bekanntesten Dankbarkeitsforschers, des amerikanischen Psychologieprofessors Robert Emmons. Dabei wurde eine Reihe von Versuchspersonen in drei Gruppen geteilt. Während die einen zehn Wochen lang notieren sollten, wofür sie in ihrem Alltag dankbar sind, sollte die zweite Gruppe notieren, was schlecht gelaufen ist, der Rest sollte ganz normal berichten.

Das Ergebnis war, dass die Probanden deutlich mehr Motivation zeigten und optimistischer waren als die anderen beiden Versuchsgruppen. Robert Emmons‘ Fazit: „Dankbarkeit ist das Gefühl des Staunens, des Dankbar-Seins und der Feier des Lebens.“ Tatsächlich beweisen auch andere Unternehmungen, was eigentlich auf der Hand liegt: Das es fast unmöglich ist, dankbar und unglücklich zugleich zu sein.

3. Körper und Geist

Mittlerweile hat sich auch die Schulmedizin dem Thema Dankbarkeit geöffnet – mit  erstaunlichen Erkenntnissen. So haben verschiedene wissenschaftliche Studien ergeben, dass sich die körperliche Verfassung bei Herzpatienten verbessert, wenn sie sich in Dankbarkeit üben. Außerdem senken Dankbarkeitsübungen den Blutdruck, mildern Phobien, Ängste, Schlafstörungen und Stress, stärken das Immunsystem und sollen sogar bei Depressionen helfen.

Auch wenn ein aufrichtiges „Danke“ natürlich nicht allein als Arznei gegen eine schlimme Krankheit helfen kann, erzeugt gelebte Dankbarkeit eine wohltuende Grundstimmung, die wie Balsam auf Körper und Geist wirkt. Dieser sogenannte Broaden-and-build-Effekt funktioniert quasi als positive Aufwärtsspirale, die immer weitere positive Effekte nach sich zieht.

4. Viele gute Gründe

Ob Kirche, Knigge oder verschiedenste kluge Menschen – alle empfehlen, sich in Dankbarkeit zu üben. Doch leider stellt sich das warme Gefühl nicht immer automatisch ein, es gehört schon ein wenig Selbstreflexion dazu. Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: „Begegnet uns jemand, der uns Dank schuldig ist, gleich fällt es uns ein. Wie oft können wir jemand begegnen, dem wir Dank schuldig sind, ohne daran zu denken?“

Hilfreich ist, die Augen für ganz alltägliche Dankbarkeitsanlässe zu öffnen: Warum nicht mal dankbar sein für Partner, Familie oder den Hund, für die Tautropfen am Morgen, für den freundlichen Nachbarn, für die Fähigkeit, Musik hören zu können, die Sterne zu sehen und Blumen zu riechen. Auch in einer friedlichen Demokratie leben zu dürfen, sollte den Dankbarkeitspegel eigentlich permanent hochhalten. Oder die Tatsache, halbwegs gesund zu sein – der Dirigent Herbert von Karajan soll nach einer schweren Operation gesagt haben: „Ich sehe die Dinge nun anders. Ich weiß jetzt, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Jeder Tag ist ein Glücksfall. Ich genieße jede einzelne Handlung, jeden Bissen Brot, jeden Blick aus dem Fenster.“ Ansonsten kann man sich immer noch am Besitz einer Waschmaschine oder einer Heizung erfreuen – für sehr viele Erdenbewohner keine Selbstverständlichkeit.

5. Übung macht den Meister

Im Potpourri unserer Gefühle verhält sich die Dankbarkeit sehr zurückhaltend. Klug also, wer sie stärkt wie einen Muskel. Verschiedene Übungen helfen dabei.

Ein Trick ist zum Beispiel die 5-Finger-Methode, die sich immer wieder anwenden lässt, wenn die Meckerstimmung wieder mal Oberhand gewinnt. Dazu zählt man einfach die Finger durch und erinnert sich an verschiedene positive Dinge.

  1. Beim kleinen Finger wird eine Sache benannt, für die man im Leben besonders dankbar ist.
  2. Der Ringfinger markiert einen geliebten Menschen,
  3. beim Mittelfinger denkt man an eine Sache, die man für einen anderen Menschen getan hat.
  4. Mit dem Zeigefinger zeigt man auf etwas Schönes in der Natur,
  5. und schließlich heißt es noch Daumen hoch für etwas, worauf man selbst stolz ist.

Sehr beliebt ist auch das Dankbarkeitstagebuch, das idealerweise abends geführt wird. Dabei beantwortet man einfach täglich die Frage:

Wofür bin ich heute dankbar?

Denn so klar es ist, dass jedem Menschen täglich mindestens eine schöne Kleinigkeit widerfährt, so sicher ist auch, dass man sich meist eher an das Knöllchen erinnert, den Zwist mit dem Partner oder die ätzende Kritik vom Chef. Schreibt man konsequent eine schöne Sache auf, für die man dankbar ist, schärft man die Sinne für das Gute – damit das Glas ab sofort halb voll ist und nicht mehr halb leer.

Quelle: https://freischreiber.de/profiles/judith-hyams/

Wann haben sie das letzte Mal DANKE gesagt? Für den schönen Tag, für die Gesundheit, für das nette Gespräch mit den Kollegen, für eine gute Idee – oder für was auch immer.

Nehmen wir uns Judith Hyams Idee doch einfach mal als Vorbild und seien wir mindestens einmal am Tag dankbar für das, was wir haben – oder einfach mal in passende Worte verpackt:

Danke

Ein kleines Wort, das jeder kennt –
Und doch, es auszuprechen, die meisten hemmt.
Warum? Frag ich ganz unschuldig nach –
Es ist nicht schlimm, doch ganz gemach,
da kommt es einem seltsam vor, und voll ungemach –
da spricht man’s leise doch noch aus –
ganz zögerlich kommt es heraus.
Dankeschön, dies kleine Wort
Versteckt es lebt an dunklem Ort.
Drum lassen wir es frei und raus
Und schicken’s in die Welt hinaus.
Zur Freude aller – ganz allgemein.
Ein kleines Danke soll es sein.
So rufen wir es laut in die Welt hinaus.
Und lassen’s aller Ort zu Haus.

© Stefan Holzke 2020

In diesem Sinne wünschen wir ihnen eine gute, dankbare Zeit!

Ihr Bildungsforum Gesundheit

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Stefan Holzke


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